Die Edel Fans der Sportvereinigung Jahn Forchheim

Dass der Fußball neben dem Sport auch noch andere schöne Geschichten schreiben kann, zeigt ein Beispiel der Sportvereinigung Jahn Forchheim. Denn dort verfolgen seit einem Jahr zwei nicht alltägliche Fans die Spiele der Mannschaft und sind bei fast jedem Training und Spiel dabei: Sehr zur Freude der Mannschaft, denen Moni und Bernd richtig ans Herz gewachsen sind.

Von Sebastian Baumann 

(23.04.2018) Eigentlich hatten Moni und Bernd, die beide direkt neben dem Jahn-Gelände im ASB-Wohnheim wohnen, nicht wirklich etwas mit Fußball zu tun. Die 34-Jährige und der 29-Jährige sind seit einem knappen Jahr Fans des Jahns - und mehr aus Zufall. "Beide sind Menschen, die in ihrer allgemeinen und selbständigen Lebensführung eingeschränkt sind und deshalb mal mehr oder auch weniger Hilfe benötigen. Aber auf alle Fälle sind es die größten Jahn-Fans, die es gibt.", erklärt Betreuer Mike, der die beiden zum Jahn brachte. “Wir sind durch unseren Betreuer Mike zum Jahn gekommen. Er hat uns einmal mitgenommen und seitdem sind wir immer da. Das hat uns gefallen und macht uns richtig Spaß. Außerdem spielen die gut”, berichtet Moni stolz.

Bei der Trainigsbeteiligung unschlagbar

Seither besuchen die beiden Fans ihren Jahn immer so oft es geht und sind bei Wind und Wetter auch beim Training der Mannschaft dabei. “Sie sind uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen und sind bei der Mannschaft richtig beliebt. Sie sind bei jedem Training dabei, waren auch bei uns auf der Weihnachtsfeier und sind von der Mannschaft beschenkt worden. Von der Trainingsbeteiligung her sind die beiden bei uns am Besten”, freut sich Spielleiter Mesut Kimiz über die beiden, die sich natürlich auch über den Aufstieg des Jahn in die Bayernliga gefreut haben.

Fans von Adem Selmani und Patrick Hagen

Die Mannschaft ließ es sich nicht nehmen und besuchten Bernd und Moni auch an ihren Geburtstagen im ASB-Heim. “Das war richtig cool”, erklärt Moni, die mit der Mannschaft Kicker spielte und auch einen Ball mit allen Unterschriften der Spieler und ein Trikot bekommen. Dafür bekamen Spieler und Trainer von den Beiden zu Weihnachten selbst gebastelte Geschenke an der Weihnachtsfeier. “Mittlerweile sind richtige Freundschaften entstanden. Moni ist der größte Adem Fan und Bernd ist der Kumpel von Patti Hagen. Die beiden sind auch bei jedem Torwarttraining dabei.”, erklärt Mesut Kimiz und schiebt gleich nach, dass die Mannschaft und er stolz sind, dass die beiden immer wieder kommen. “Das sind zwei, die es nicht einfach im Leben haben und uns trotzdem soviel Freude bereiten.”

Trainer sponsort DFB-Jacke

Auch Moni und Bernd sind Feuer und Flamme, wenn es um den Jahn geht - und vor allem wenn die Lieblingsspieler mitspielen. “Ich mag besonders den Adem und auch den Jens (Wartenfelser, Anm. d. Red.) und der Bernd mag den Patrick. Die sind richtig cool.” Auch von Christian Springer gab es ein Geschenk, denn die DFB-Jacke, die Bernd trägt, wurde vom Trainer des Jahns gesponsert. “Ich glaube die hat er noch nie ausgezogen”, schmunzelt Torwarttrainer Thomas Oppelt. “Das ist wirklich unglaublich. Sie sind bei jedem Training dabei und schauen auch bei jedem Torwarttraining bei mir zu. Das ist schon gigantisch - aber auch gut von der Mannschaft, die beide so akzeptiert.”

Zum Auswärtsspiel nachgereist

Kein Wunder, dass die beiden nicht nur in jedem Heimspiel, sondern auch fast in jedem Auswärtsspiel dabei waren - ausgenommen beim Auswärtsspiel bei Viktoria Aschaffenburg. Da durften die beiden nämlich nicht mit - und seither sind Moni und Bernd ein bisschen sauer auf René Hoffmann. Denn der Teammanager des Jahn wollte den beiden Fans die Reisestrapazen ersparen ins weite Aschaffenburg und verbot kurzfristig die Mitfahrt im Mannschaftsbus. “Der René hat verboten, dass wir mitfahren dürfen, weil die Fahrt zu lange ist”, erklärt Moni und machte sich einfach selbst auf den Weg von Forchheim mit dem Zug nach Aschaffenburg, um das Spiel zu sehen. “Aber leider haben mich die Spieler nicht gesehen”, sagt Moni richtig traurig. Denn erst zur Halbzeit kam Moni in Aschaffenburg an und kam deswegen nicht mehr ins Stadion. “Ich wusste das nicht, dass Moni alleine hoch fährt und bin an dem Tag selber mit dem Auto hochgefahren. Wenn ich es gewusst hätte, dann hätte ich sie natürlich mitgenommen”, bedauert Mesut Kimiz die ungewohnten Reisestrapazen der 31-Jährigen.

"Dann hauen wir die Bayern weg"

Der Freude am Jahn macht das Missgeschick in Aschaffenburg aber keinen Abbruch. Denn auch in Zukunft wollen die beiden ihrer Mannschaft die Daumen drücken. Das Ziel Bundesliga, das die beiden mit großem Lachen von sich geben, mag dabei zwar etwas hochgegriffen zu sein, aber selbstbewusst geht Moni an die Sache ran. “Dann hauen wir die Bayern weg”, schmunzelt Moni und erntet große Zustimmung von Kumpel Bernd.

Der Autor Sebastian Baumann ist Redakteur bei anpfiff.info. Für die freundliche Überlassung des Artikels danken wir herzlich.

Ob Training, Spiel oder Weihnachtsfeier: Moni (2.v.l.) und Bernd (r.) haben sich zu den Edelfans der SpVgg Jahn Forchheim entwickelt. Sie wurden vom gesamten Team herzlich aufgenommen, so auch von Spielleiter Mesut Kimiz (l.) und Torwarttrainer Thomas Oppelt (3.v.l.). Foto: S. Baumann